Freitag, 15. April 2016

Der Tagesspiegel: WEINE des Monats: Perfekt zum Spargel

Scheu ist sie wirklich nicht, die Scheurebe. Sie trägt lediglich den Namen ihres Züchters Georg Scheu, der sie vor 100 Jahren in Rheinhessen durch Kreuzung schuf. Seitdem hat sie eine wechselvolle Vergangenheit erlebt, mal aufdringlich süß, mal mit stechendem Aroma in der Nase. Dass die Scheurebe auch eine aufregende Gegenwart als deutsche Antwort auf Sauvignon Blanc haben kann, beweisen zum Glück viele junge Winzer. Zum Beispiel Christine Huff und ihr Mann Jeremy Bird im Weingut Fritz Ekkehard Huff am Roten Hang in Nierstein und Schwabsburg. Hier leitet der Name jetzt tatsächlich zum Wesen des Weins: 2015 The Green Bird deutet mit seinem Maori-Vogel auf dem Etikett nach Neuseeland, der Heimat von Jeremy. Aus früher gelesenen Trauben keltert er einen Wein, bei dem frische Kräuternoten dominieren - wie bei einem Sauvignon Blanc aus dem cool climate von Neuseeland. Geprägt von der belebenden Mineralität der roten Rheinfront-Böden und einer feinen Säure. Kommt mit jedem Salatdressing klar und jubelt zu Ziegenfrischkäse.

Es gibt immer wieder kreative Erklärungen für einen dicken Kopf am nächsten Tag. Eine lautet: Der Wein hat zu stark geschäumt. Bei einem italienischen Frizzante kann das kaum der Fall sein. In vielen Regionen werden diese nur zart perlenden Weine erzeugt, von denen es die meisten gar nicht bis zu uns schaffen, sondern gleich am Herkunftsort ausgetrunken werden. Und hätte Stefan Pelzl nicht in Bologna studiert, wer weiß, wahrscheinlich hätte es der 2014 Pignoletto Frizzante DOCG nicht in das Regal seiner Kreuzberger Weinhandlung Altrovino geschafft. Im Hügelland um Bologna, den Colli bolognesi, wachsen die Trauben für diesen angenehm leichten und erstaunlich nachhaltigen Wein vom Weingut Manaresi. Die Kohlensäure bildet nicht viel mehr als einen feinen Film am Gaumen, belebend und dabei sanft schmelzend ohne jegliches Alkohol-Fett. Egal ob man die Rebsorte nun traditionell Pignoletto oder neuerdings Grechetto Gentile nennt - sie duftet nach weißen Blüten und grünem Kräuterapfel. Im Vergleich zu den meisten Prosecci bringt der Pignoletto etwas mehr lebendige Säure mit und haftet mit seinem feinen Bitterchen länger am Gaumen. Das macht ihn zu mehr als einem schönen Aperitif.

Natürlich stellt sich zu Beginn der Spargel-Saison die ewige Frage: Welcher Wein passt zu den bleichen Stangen? Beide Weine des Monats haben da eine Chance verdient. Ulrich Amling
2014 PIGNOLETTO FRIZZANTE // Weingut Manaresi, Colli Bolognesi DOCG für
10,80 Euro bei Atrovino, Grimmstr. 17, Kreuzberg. Fotos: Thilo Rückeis //
2015 THE GREEN BIRD // F. E. Huff, Rheinhessen für 7,50 Euro bei Goldhahn
& Sampson, Dunckerstr. 9, Prenzlauer Berg und Wilmersdorfer Str. 102/103


Fazit: Spargel ohne Wein geht so gar nicht.