Sonntag, 17. April 2016

Der Spiegel: Bierkonsum

Drei Milliarden Liter ungetrunkenes Bier. Die kulturelle Praxis des Tabakkonsums ist in unseren Breiten seit einiger Zeit auf dem Rückzug. Beim Rauschgift Alkohol ist dieser Wandel bisher ausgeblieben. Es gibt keine Château-Lafite-Rothschild-Flaschen oder Oktoberfest-Maßkrüge mit Abbildungen von Leberkrebs oder einer entzündeten Magenschleimhaut, und niemand bezeichnet Winzer oder Brauer als das, was sie sind: Drogenhändler. Gute Gründe für diese Ungleichbehandlung, etwa gegenüber afghanischen Schlafmohn-Produzenten, gibt es nicht. Ethanol oder C2H6O, dargereicht als Bier, Wein oder Schnaps, ist die weitaus schädlichste bewusstseinsverändernde Substanz, für den Einzelnen und die Gesellschaft vielfach verheerender als alle illegalen Drogen. Aber eben auch: sehr lecker. Ausgerechnet beim Bier nun, dem Blut der deutschen Seele, zeigt sich jedoch seit einigen Dekaden eine erstaunliche Tendenz zur Mäßigung - und dies ganz ohne Verbote. Zwar hat Deutschland 2015 noch immer acht Milliarden Liter Bier getrunken: 98 Liter pro Kopf. Das sind aber drei Milliarden Liter weniger als 1991, als es 141 Liter pro Kopf waren; ein Rückgang um rund ein Drittel. Ach, wenn man dies bloß messen könnte - in unverprügelten Ehefrauen, in unverstorbenen Fünfzigjährigen, in unvergossenen Tränen! 


Fazit: Das Spektrum der Alkoholika ist sehr breit.