Samstag, 9. April 2016

yaez.de: "Frischer im Kopf": Wir haben Ariane gefragt, wieso sie keinen Alkohol trinkt

LAUT EINER AKTUELLEN STUDIE TRINKEN IMMER MEHR LEUTE UNTER 25 KEINEN ALKOHOL. WIR HABEN MIT ARIANE (23) DARÜBER GESPROCHEN, WARUM SIE LIEBER AUF ALKOHOL VERZICHTET.

Immer weniger Menschen unter 25 rauchen, nehmen Drogen oder trinken Alkohol - zu dem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Nur zehn Prozent der zwölf bis 17-Jährigen und 33, 6 Prozent der 18- bis 25-Jährigen trinken regelmäßig Alkohol. Diejenigen, die häufig Alkohol trinken, schießen sich jedoch regelmäßig ab. Ariane gehört nicht dazu: Sie ist 23, Psychologie-Studentin und trinkt keinen Alkohol.

Hast du früher Alkohol getrunken?

Ich habe mit 14 angefangen Alkohol zu trinken. Ich würde sagen, dass ich bis zum Abi recht viel getrunken habe. Im Studium wurde es am Wochenende ruhiger, dafür gab es dann aber fast jeden Tag mal ein Feierabendbierchen oder ein Glas Wein.

Was ist dann passiert?

Ich habe einige schwierige persönliche Situationen hinter mir. Ende 2014 kam dann endlich kein Schicksalsschlag mehr nach dem anderen. Ich hatte das Gefühl, dass ich wieder mit beiden Beinen fest im Leben stehe. Mir ist allerdings aufgefallen, dass Alkohol quasi meine Universalstrategie gegen Stress geworden ist. Müde von der Arbeit nach dem Praktikum, Streit oder Frust? Da half mir ein Gläschen Wein schon bei der Entspannung. Ich bin generell unsicherer geworden. Wenn ich betrunken bin, bin sehr unterhaltsam. War ich zu einer Party eingeladen und nervös, was die sozialen Interaktionen angeht, hab ich getrunken, um cool zu werden. Vor dem Hintergrund meines Psychologiestudiums würde ich sagen, dass das noch keine Sucht war – aber definitiv etwas, was man riskanten Konsum nennt. Ich habe gemerkt, dass mir das alles nicht gut tut. Deshalb habe ich mich entschieden, keinen Alkohol mehr zu trinken.

Gab es einen bestimmten Punkt, an dem du dachtest: „Jetzt ist es genug“?

Ich habe schon länger darüber nachgedacht, nicht mehr zu trinken. Dann habe ich meinen jetzigen Freund kennengelernt. Der hat mir genau meine Geschichte erzählt: schwierige Zeiten hinter sich, gemerkt, dass er Alkohol zu stark benutzt und vor einem Jahr dann aufgehört zu trinken. Zu sehen, dass ein „echt cooler Typ“ das schafft und trotzdem noch Spaß und Freunde hat, hat mich tatsächlich dazu gebracht mein halbvolles Weinglas einfach stehen zu lassen. Seitdem habe ich keinen Alkohol mehr getrunken.

Und wie reagieren deine Freunde auf deine Entscheidung?

Es gibt von überall sehr gemischte Reaktionen. Manche sagen „Oh man, mit wem schlag ich jetzt die Jungs im Beer Pong?“, andere sagen „Ich finde es gut, ich hab mir schon ein bisschen Sorgen um dich gemacht“. Viel weniger Leute versuchen mich zum Trinken zu überreden, als ich dachte. Mir ist allerdings aufgefallen, dass ich mich fast immer erklären muss. Ist das nicht komisch? 
Jahrelang gehe ich schlecht mit mir um, bringe mich in peinliche oder auch gefährliche Situationen und keiner fragt mich, warum ich das immer wieder mache. Aber sobald ich eine Entscheidung treffe, die offensichtlich gut und gesund für mich ist, muss ich mich so extrem rechtfertigen. Einige glauben, ich verzichte auf Alkohol als eine Art Diät. Andere glauben, ich hätte schon mit der Kinderplanung angefangen – dabei tue ich das ja nur für mich. Ich habe das Gefühl, man erfährt durch die Reaktionen extrem viel darüber, wie die anderen selbst zum Alkohol stehen und was für Gedanken sie sich dazu machen. Klar, Alkohol ist legal, aber trotzdem ist er gefährlich.

Was hat sich in deinem Leben verändert?

Nach einigen Wochen ,. Das funktioniert aber wahrscheinlich nur, wenn man komplett auf Alkohol verzichtet. Außerdem schlafe ich viel besser. Eine der besten Veränderungen ist, dass ich nicht mehr rauche. Ich hab mehrfach versucht aufzuhören, aber es doch nie wirklich geschafft. Seit ich keinen Alkohol mehr trinke, habe ich meine Zigaretten kein einziges Mal vermisst. Das finde ich schon krass, weil ich ja kein „Partyraucher“ war, sondern auch tagsüber geraucht habe.

Gehst du immer noch so gerne feiern wie früher?

Anfangs fiel es mir schon schwer ganz normal feiern zu gehen – aber eben ohne Alkohol. Mittlerweile macht mir das gar nichts mehr aus. Ich ziehe total gerne lange und ausgiebig durch Kneipen. Clubs sind nicht so mein Ding. Das war aber auch schon früher so.


Fazit: Spaß und Freude ohne.