Sonntag, 3. April 2016

Welt am Sonntag: Gourmetgeschichten: Très français

In der Hamburger City bietet Patron Ergün Uysal mit seinem Team im “Petit Bonheur“ seit drei Jahren eine Küche an, wie sie in Bistros, Brasserien und Restaurants an der Seine gepflegt wird. Inzwischen gibt es im eleganten Restaurant einige neue Gesichter in Küche und Service, die Qualität des Gebotenen ist aber eher noch besser geworden.

Es gibt Bouzingues-Austern (hier Stück 3,90 Euro), Weinbergschnecken mit Knoblauch und Kräutern (12 Stück 13,90 Euro) und natürlich Bouillabaisse mit Sauce Rouille (14,90 Euro). Aber der Chefkoch David Rohlfing versteht sich auch auf anspruchsvollere Zubereitungen, wenn er etwa gebratenes Zanderfilet auf Weinkraut mit Orangen-Meerrettich-Schaum serviert (26,90 Euro).

Bei der Vorspeise entscheidet sich meine Frau für einen Bistro-Klassiker: Lyoner Wurst, kräftig gebraten mit körnigem Dijon-Senf Balsamicolinsen (14,90 Euro). Einfach in der Zubereitung, aber wohlschmeckend, vor allem durch den dunklen Linsenfond. Zum Brasserie-Klischee passt auch mein erster Gang: zweimal Foie gras, also Gänsestopfleber - einmal frisch gebraten, einmal als Pâté, beides in sehr guter Qualität, serviert mit Portweingelee, Traubenconfit  und einem frisch gebackenen Brioche (25,90 Euro).

Ähnlich zufrieden ist meine Frau über ihren Hauptgang: Trüffelravioli, angerichtet mit Kräuterseitlingen auf intensivem Nussbutterschaum (22,90 Euro). Und meine Wahl? Eine gute Blutwurst kann ich nicht verschmähen - also bestelle ich Bodin noir. Die bestens gebratene Wurst wird mit Apfelconfit sowie mit Safran und Ei buttergelb aufmontierten Pommes mousseline serviert. Nur die blässlich weißen Schmorzwiebeln haben offenbar zu wenig Hitze abbekommen (24,90 Euro).

Die Weinauswahl im “Petit Bonheur“ umfasst rund 100 Flaschen, vor allem aus Frankreich. Unser Menü begleitet ein Sauvignon blanc (0,2 Liter 11,80 Euro) sehr gut, zur Gänseleber passt ein Jurancon (5 cl 9 Euro), zur Boudin noir ein junger Côtes du Rhône (0,2 Liter 9,60 Euro).

Petit Bonheur Neustadt, Hütten 85-86, Telefon 23 44 15 26.
Küchenzeiten: Mo-Fr 12-22 Uhr, Sa 17-22 Uhr, So geschlossen
Sitzplätze: 70 Plätze im Restaurant, 20 Plätze vor dem Haus
Service: sympathisch und präsent
Fazit: Die klassische französische Küche verteidigt das “Petit Bonheur“ gegen den Zeitgeist. Das schmeckt!


Fazit: Ein trockener Weißer begleitet die gebratene Wurst vortrefflich.