Samstag, 9. April 2016

Neue Zürcher Zeitung: Anerkennung gesucht

Es existieren Rebsorten, die jedermanns Darling sind - beispielsweise Primitivo oder Malbec (siehe «Stil» vom 27. März). Andere Varietäten haben einen schweren Stand und kommen nicht aus ihrer Nische heraus. Dazu zählt der Aglianico, der fast ausschliesslich in den zwei italienischen Regionen Basilicata und Kampanien angebaut wird. Die Traube ist also eine autochthone Spezialität, die sonst in keinem anderen Anbaugebiet zu finden ist. Aglianico nimmt in Italien mit einer Anbaufläche von gut 9900 Hektaren lediglich Platz 18 unter den meistangebauten Rebsorten ein.

Eine kürzlich erschienene Diplomarbeit an der Weinakademie Österreich ging der spannenden Frage nach, warum das Potenzial dieser als hochwertig geltenden Sorte nicht ausgeschöpft wird. Die Untersuchung einer Schweizer Studentin kommt zum Schluss, dass die Weine schlecht vermarktet würden. Grund: «In der Weinwirtschaft Kampaniens und der Basilicata bestehen strukturelle und organisatorische Schwächen», heisst es darin. Zudem seien beide Regionen touristisch nicht oder ungenügend erschlossen. Gemeinsam wird nichts unternommen, um die Weine in internationalen Märkten besser und augenfälliger zu positionieren.

Allerdings ist dies eine Herkulesaufgabe, denn Agliancio ist mit seinen markanten Tanninen und seiner Herbheit kein sofort zugänglicher Wein. Umso mehr ist es zwingend, dass die Qualität einwandfrei ist beziehungsweise weiter gesteigert wird. Auch sollte der Einsatz der Barriques so dosiert werden, dass nicht Holz- und Röstaromen den Wein überdecken.

Bereits jetzt findet man indes Weine, die sich sehen lassen dürfen und die belegen, dass sich der Aglianico - reinsortig oder im Verbund mit anderen Sorten - nicht verstecken muss. Zu den Aushängeschildern zählen etwa der finessenreiche Montevetrano von Silvia Imperato und die Taurasi-Weine von Mastroberardino, beide aus Kampanien, sowie die überzeugenden Weine von Elena Fucci aus der Basilicata, die mit Kraft und Finesse und nicht mit Extraktsüsse und überbordendem Alkohol brillieren.

Zusatz:
Aglianico-Weine aus dem Süden Italiens werden schlecht vermarktet und kommen daher nicht aus ihrer Nische heraus.



Fazit: Das ist wirklich sehr bedauerlich.

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