Sonntag, 3. April 2016

Die Presse: Der Lohn der Matrosen

Rum war ursprünglich ein Nebenprodukt der Zuckerproduktion - und ein Zahlungsmittel.
Die Geschichte des Rums ist zweifellos mit jener der Seefahrt und der Matrosen verbunden. Es scheint beinahe unmöglich, bei ihm nicht an das Meer und seine menschliche Bewohner zu denken. Auch wenn Zuckerrohr ursprünglich aus Asien stammt, wurde der Rum daraus erstmals im 17. Jahrhundert auf der Karibik hergestellt. Anfangs hatte Rum wenig mit dem feinen Destillat, das wir heute kennen, zu tun, sondern war vielmehr eine Art Zuckerrohrwein, der aus den Resten der Zuckerproduktion hergestellt wurde.

   Dieser Vorläufer des Rums wurde vor allem den Sklaven, die für die Zuckerproduktion eingesetzt wurden, vorgesetzt. Erst nach und nach wurde an der Destillation gearbeitet und der Rum verbessert. Das wussten auch bald die Seeleute zu schätzen. Rum war anfangs übrigens weniger ein Genussmittel als vielmehr eine Medizin. Immerhin waren die Lebensmittel aufgrund der langen Seefahrt schnell einmal verdorben, ein Gläschen Rum konnte da so manchen Krankheitserreger abtöten. Außerdem kam schnell die Sitte auf, den Rum mit Zitronensaft zu verfeinern, was für Vitamin sorgte. 

   Täglich ein halber Liter Rum. Erstmals schriftlich dokumentiert wurde Rum aus Barbados im Jahr 1647. Auf den französischen Antillen gab es 1694 die ersten Belege dafür. Der Missionar Pere Labat soll Rum als Arzneimittel eingesetzt haben. Etwa um diese Zeit hat es sich eingebürgert, dass Seefahrer mit Rum entlohnt wurden. Die Soldaten der Royal Navy sollen täglich einen halben Liter Rum bekommen haben. Da das aufgrund des hohen Alkoholgehalts (70 bis 80 Volumenprozent) für die Berufsausübung nicht sehr förderlich war, wurde der Rum schon bald mit Wasser verdünnt. Besonders fleißige Soldaten durften ihn mit Zucker und Zitronensaft würzen - und tranken somit eine Art Grog. Erst 1970 wurde übrigens der letzte britische Marinesoldat mit Rum entlohnt. 

   Im 18. Jahrhundert wussten auch immer mehr Europäer den Geschmack des Rums, der sich dank einer weiter entwickelten Destillierkunst verbesserte, zu schätzen. Rum wurde mit Schiffen, in Holzfässern gelagert, nach Europa transportiert. Der lange Transportweg, das wechselnde Klima und die Bewegung durch die Wellen taten ihm durchaus gut und ließen ihn reifen. 

   Der Name dürfte übrigens auf seinen ursprünglichen, scharfen Geschmack anspielen. Er leitet sich vom englischen Dialektwort rumbullion ab, was so viel wie Aufruhr, Tumult oder Krach bedeutet. 

   Heute ist Rum die meist getrunkene Spirituose der Welt. Er wird in der Karibik, in Mittel- und Südamerika, aber auch in Australien, auf Madagaskar, Mauritius, Reunion, den Philippinen und den Kanaren produziert. Unter Rum versteht man ein Destillat aus einem Gemisch von Melasse (Zuckersirup) oder gehäckseltem Zuckerrohr, Wasser und Zuckerrohrsaft. Brauner Rum erhält seine Farbe nicht nur durch die jahrelange Reifung im Holzfass, sondern auch durch die Zugabe von gebranntem Zucker. 

   Der geschützte Inländer-Rum. Originalrum darf sich nur jener importierte, unveränderte Rum nennen. Er hat einen Alkoholgehalt von 65 bis 80 Volumenprozent. "Echter Rum" ist Originalrum, der auf Trinkstärke herabgesetzt, sprich mit Wasser verdünnt wurde (min. 37,5 Prozent). Unter Rumverschnitt versteht man eine Mischung aus mindestens fünf Prozent Originalrum, Wasser und neutralem Alkohol. Der hierzulande berühmte Inländer-Rum fällt in die Kategorie Kunstrum. Entwickelt wurde er im 19. Jahrhundert von einem Kremser Apotheker. Mit Zuckerrohr hatte er ursprünglich nichts zu tun, vielmehr war er eine Mischung aus Ethylalkohol, Wasser sowie Aroma- und Geschmacksstoffen, die den Rumgeschmack imitieren sollten. Erst seit 1999 muss die Alkoholbasis des Inländer-Rums aus der Zuckerrohrverarbeitung stammen. Seit 2008 ist Inländer-Rum eine geschützte österreichische Spezialität und muss hierzulande produziert worden sein. In der österreichischen Küche ist der Inländer-Rum, der unter anderem von den Firmen Stroh, Spitz oder Mautner hergestellt wird, längst fixer Bestandteil bei Süßspeisen. 

   In den letzten Jahren wurde auch Rum, ähnlich wie Gin oder Tequila, wiederentdeckt - von Konsumenten wie auch von kleinen Herstellern. Selbst in Japan gibt es mit der Nine Leaves Distillery eine Rumdestillerie. Und unter dem Namen Tres Hombres produzieren ein Österreicher und zwei Niederländer u. a. Rum. Dieser wird - ganz traditionell, aber auch klimaneutral - mit einem 60 Jahre alten Kriegsfischkutter, der zu einem Frachtsegler umgebaut wurde, verschifft.


Fazit: Seeleute sind weit rum gekommen.