Samstag, 9. April 2016

Berliner Zeitung: Kopfsachen

Die Rolle der Gene: Haben Vater oder Mutter Migräne, so liegt die Chance des Kindes bei 50 Prozent, ebenfalls diese Kopfschmerzform zu entwickeln. Sind beide Eltern betroffen, sind es sogar 80 Prozent. Der genetische Einfluss ist also deutlich. Um welche Erbanlagen genau es sich handelt, bleibt bei den meisten Menschen unklar. Zwar hat man sechs Gene identifiziert, die bei der Entwicklung einer Migräne eine große Rolle spielen können, aber sie sind nur bei einer Minderheit der Betroffenen verändert.  

  Medikamente: Triptane gelten als das erfolgreichste Medikament zur akuten Behandlung einer Migräneattacke. Ursprünglich wurden sie auch wegen ihrer gefäßverengenden Wirkung bei der Krankheit eingesetzt. Inzwischen geht man aber davon aus, dass die Bindung an Serotoninrezeptoren und eine dadurch bedingte entzündungshemmende Wirkung in den Hirnhäuten die entscheidende Rolle spielt. Der Einfluss auf die Gefäße schafft aber gleichzeitig Probleme: Triptane erhöhen das Herzinfarktrisiko. Weitaus wahrscheinlicher ist allerdings, dass die Medikamente bei zu häufiger Einnahme selber chronische Kopfschmerzen auslösen. 

  Auslöser: Vielen Migräneattacken geht ein akuter Reiz voraus, auf den das überempfindliche Gehirn des Betroffenen ausgeprägter reagiert als das des normalen Menschen. Als mit Abstand wichtigste Faktoren gelten Störungen des Biorhythmus, zum Beispiel Stress, zu viel oder zu wenig Schlaf sowie veränderte Essenszeiten. Bei manchen Menschen spielen aber auch - mengenabhängig - Nahrungsmittel eine Rolle. An erster Stelle ist Alkohol zu nennen, aber auch Produkte, die Tyramin (Käse, Essig), den Geschmacksverstärker Glutamat oder Nitrit (verarbeitetes Fleisch) enthalten, können manchen Menschen Schwierigkeiten bereiten. Kaffee wiederum gilt als weniger problematisch, außer er wird in großen Mengen oder sehr unregelmäßig getrunken. Schokolade dagegen steht wohl zu Unrecht unter Verdacht. 

  Spannungskopfschmerz: Anders als Migräne entstehen Spannungskopfschmerzen wahrscheinlich zunächst durch Verspannungen einer schon zuvor sensibilisierten Muskulatur im Kopf- und Halsbereich. Treten die Probleme regelmäßig auf, kann das Leiden chronisch werden. Der Grund: Bei zwei Prozent der Menschen ändert unter dem Einfluss der immer wieder auftretenden Schmerzen das Gehirn selbst seine Verschaltungen und wird überempfindlich. Spannungskopfschmerzen sind in der Regel beidseitig, dumpf und drückend. 

  Clusterkopfschmerz tritt meist sehr plötzlich, aber mit strikten zeitlichen Mustern auf. In der Regel ereignen sich die Attacken über Phasen von einigen Wochen oder Monaten im Frühjahr und Herbst. Die Kopfschmerzen melden sich vor allem nachts oder frühmorgens. Der streng einseitige, bohrend-brennende Schmerz wird von den Patienten als unerträglich beschrieben und ist oft mit körperlichen Symptomen wie Naselaufen oder Tränenfluss verbunden. Aufgrund der Rhythmik und der Symptome glaubt man, dass der Hypothalamus und der Trigeminus-Nerv eine wichtige Rolle bei der Entstehung spielen - wie bei Migräne. 





Fazit: Saufstoff verursacht oft Kopfweh.