Mittwoch, 16. März 2016

Weser Kurier: Über den Karfreitag

In Bremen herrscht auch eine Willkommenskultur für sogenannte Partypeople: Niergendwo sonst ist das Tanzverbot an Feiertagen so weit gelockert, 2018 soll es ganz wegfallen. Am Donnerstag wird ein Ortsgesetz zur Erlaubnis spontaner Freiluftpartys verabschiedet. Nun hoffen die Schausteller auf ähnliche Großzügigkeit und vertreten damit, gerade vor diesem Hintergrund, vollkommen plausible Ansprüche. Das liegt auch an faulen Kompromissen der Vergangenheit: Dazu gehört, Stille und Trauer auf bestimmte Uhrzeiten festzulegen und Vergnügungsparks zu erlauben, was Jahrmärkten verboten ist.

Es ist nicht zu leugnen, dass “stille Feiertage“ an Bedeutung verloren haben, damit aber noch lange nicht an Sinn. Ein jegliches hat seine Zeit, heißt es im Alten Testament. Gestern haben wir unser Facebook-Profilbild in “Je suis Charlie“ und die Trikolore geändert, heute trauern wir über ertrunkene Flüchtlinge , morgen fahren wir Achterbahn und tanzen die ganze Nacht. Es mag sein, dass sich das nicht widerspricht. Ob ein Recht auf Rummel an 365 statt 362 Tagen mehr gilt als ein Recht auf Stille, ist eine andere Frage.


Fazit: Saufen geht immer - auch traurig.