Dienstag, 15. März 2016

Hamburger Abendblatt: Mein Buch! Mein Hund! Mein Bier! Was soll mit aufs Bild? Eine Umfrage klärt ein für alle Mal, womit sich die Deutschen am liebsten fotografieren lassen würden

Mal angenommen, sie wollen sich fotografieren lassen. Aber nicht einfach so, sondern richtig schön mit einer repräsentativen Requisite. Womit kann man punkten, wie Eindruck schinden, wer soll mit aufs Foto? Fast zwei Drittel, so das Ergebnis einer Umfrage, würden zu einem Buch greifen. Natürlich, schließlich leben wir im Land der Dichter und Denker. Aber was nimmt man da? Es droht die Qual der Wahl. “Zettels Traum“: zu schwer. Siegfried Lenz: geht immer. “Fifty Shades of Grey“: was sollen die Nachbarn denken? Ein Pixie-Buch: vielleicht zu leicht. Im Prinzip ist ein Buch eine gute Entscheidung. Gern hätte man hier als Gegenbeispiel George W. Bush angeführt, der bei einem Besuch in einer Schule ein Buch angeblich verkehrt herum hielt. Lüeider war das nur ein Internetscherz.

Auf dieser Welt halte ich zwei Tätigkeiten für besonders nutzlos: Laubsägearbeiten und die Fotografie. (Anton R. Tschechow, russischer Schriftsteller)
 Außerdem in den “Ich und ...“-Charts: Sportgeräte bei Männern. Sag mir, welchen Diskus du wirfst und ich weiß, was ich von dir zu halten habe! Das ist wohl mehr etwas für Spezialisten. Frauen würden ihr Smartphone mitnehmen oder Haustiere. Bremer können sich durchaus vorstellen, ein Bier mit aufs Foto zu nehmen, das hat doch mal was. Was würden Hamburger wohl auswählen, einen Grog, Alsterwasser?

Menschen sind so. Sie versuchen ein Bild von sich zu vermitteln, nur weil sie wissen, dass andere sie beobachten. Selbstinszenierung lautet das Stichwort. Der kanadische Soziologe Erving Goffman hat darüber mal das sehr anschauliche Buch “Wir alle spielen Theater“ geschrieben.

Erstaunlich an der Umfrage ist die Lücke: Niemand ist auf die Idee gekommen, sein Auto zu tätscheln, für viele ist es ja auch eine Art Haustier. Aber wozu gibt es all diese SUVs? Doch bestimmt nicht, weil die Fahrer Benzinkosten sparen oder abseits der Steaße im Gelände herumfahren wollen. Die Umfrage wurde übrigens im Auftrag der deutschen Buchbranche durchgeführt, nicht im Auftrag der Automobilindustrie. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt ...


Fazit: Poste Selfies nicht im Suff.