Mittwoch, 23. März 2016

Frankfurter Rundschau: Braune Brühe



Stecken in dem Bier „Grenzzaun Halbe“ versteckte Nazi-Codes? Die Macher verteidigen sich, nehmen die braune Brühe aber aus dem Sortiment.
Es ist wohl das braunste Bier, das Deutschland je gesehen hat: „Grenzzaun Halbe“ von der Brauerei Röhrl in Niederbayern, das seit vergangener Woche in ausgewählten Läden in Bayern erhältlich ist. Das neue Bier stößt bitter auf – ohne es jemals getrunken zu haben. „Heimat braucht Bier“, so wird das Helle auf dem Etikett angeworben, darüber prangt in Frakturschrift der Name des Biers „Grenzzaun Halbe“ (blau auf braun). Auf der Rückseite geht es weiter mit einer Reihe von Substantiven, für die das Bier offenbar stehen soll: „Trachtengewand“, „Fleiß“, „Heimatverbundenheit“, „Trinkfestigkeit“, „Disziplin“, „Bescheidenheit“ – um nur einige zu nennen.
Man könnte über all das hinwegsehen. Doch wirft man noch einen zweiten Blick auf das Bier, kommt man nicht an zwei Zahlen vorbei. Zufall? Ein Versehen? Man kann das kaum glauben.
88 Cent kostet eine Flasche des Bieres. 88? War da nicht was? Richtig. 88 ist in der rechtsextremen Szene ein häufig verwendetes Symbol, mit der Nazis ihre Gesinnung propagieren. Die Zahl acht steht für den achten Buchstaben im Alphabet – und damit für den Hitlergruß.
Und dann sind die Biere auch noch bis zum 9. November 2016 haltbar. Der 9. November ist in der Geschichte Deutschlands ein mehr als schwarzes Datum: Vom 8. November auf den 9. November 1938, auch bekannt als Reichspogromnacht, verübten die Nazis Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung: Synagogen wurden in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte zerstört, Wohnungen verwüstet und Juden erschlagen, niedergestochen oder zu Tode geprügelt.

„Absurde Unterstellungen“

Nun hat sich auch die Brauerei auf ihrer Internetseite zu Wort gemeldet und dementiert die Deutungen vehement. „Die Idee dieses Bieres ist zu erinnern, dass wir Bayern Werte und Traditionen haben, die genauso schützenswert sind, wie die Menschen auf der Flucht vor Krieg. Die ‚grenzzaun halbe‘ steht für alles Gute in Bayern und ist nichts Böses“, so die einleitende Entschuldigung.
„Dass man uns als rechtsradikal betitelt, weil wir die Flasche für 80 Cent (UVP) plus Pfand verkaufen, hat uns schockiert. So böse können wir gar nicht denken, wohl aber die anonymen Hetzer im Internet. Wir distanzieren uns von solch absurden Unterstellungen“, heißt es weiter. Man habe mit Rechtsradikalismus nichts zu tun und wolle deshalb das Bier auch wieder vom Markt nehmen, da man nicht möchte, dass das Bier in die „rechte Ecke“ gestellt werde.
Die Studierendenvertretung der Uni Regensburg, in der Getränke von Röhrl verkauft werden, hat sogar zu einem Boykott der Getränkemarke aufgerufen.


Fazit: Arschloch-Brauer


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